2.11.2013

Ich bin jetzt genau 2 Wochen in meiner Familie und bis jetzt hab ich mich glaub ich ganz gut geschlagen. Klar ich habe manchmal ziemliches Heimweh und das mit der Sprachbarriere ist wirklich schwierig. Es gibt auch sehr viele Sachen die mich hier stören die nicht damit zu tun haben, die ich aber nicht ändern kann und deshalb akzeptiere. Aber alles in allem halt ich glaub ich ganz gut durch. Es gibt Hoch-und Tiefpunkte und gestern Abend war mal wieder ein gutes Beispiel dafür.. Nonos Bruder (in Wirklichkeit der Sohn von der besten Freundin meiner Gastmutter) hatte Geburtstag und deswegen konnte ich wieder nicht in englische Viertel, stattdessen sind wir mit der ganzen Familie essen gegangen. Ich hatte keine Ahnung wann es los geht und deshalb hab ich mich dann aufs Sofa gesetzt ud darauf gewartet, dass meine Gastmutter von der Arbeit wieder kommt. Auf einmal stand dann ein Arbeitskollege von ihr vor der Tür. Ich dachte zuerst er holt mich jetzt ab, aber er hat sich dann vor unseren Fernseher gesetzt und irgendeinen chinesischen Actionfilm geguckt. Okay...KOmmen hier öfter Leute vorbei um fernsehn zu gucken ? Als ich irgendwann auf mei Handy geguckt habe, hatte ich 3 neue Nachrichten von meiner Gastmutter in denen sie sagte, dass sie mich abholt und auf mich warten würde. Dann hab ich erstmal Panik bekommen, da ich keine Ahnung hatte wo sie auf mich wartet und ob sie jetzt angepisst ist, weil ich sie hab warten lassen. Ich dachte dann wahrscheinlich wartet sie in der Tiefgarage und hab das dann versucht Anny, der Oma und dem Arbeitskollegen zu erklären, die alle noch vor dem Fernseher gesessen haben...ohne Erfolg. Ich bin dann alleine runter in die Tiefgarage um zu gucken ob sie da ist...war sie aber nicht. Irgendwie spuckt ihr Übersetzer immer komische Sätze aus, die ich meistens falsch interpretiere. Im chinesischen gibt es keinen Unterschied bei Zeiten, sie verwenden immer den Infinitiv, daher weiß ich nie ob sie meint, sie hat etwas gemacht, sie macht etwas oder sie wird etwas machen. Sie schreibt mir dann zum Glück irgendwann, nachdem ich schon alle genervt haben mit meinen Versuchen ihnen zu erklären was ich meine (unser Internet ist auch schon wieder kaputt also geht mein Übersetzer auch nicht), dass ich im Apartment auf sie warten soll. Super damit kann ich dann endlich mal was anfangen. Also setze ich mich aufs Sofa und gucke zu wie der Arbeitskollege alle gespeicherten Filme durchguckt, was mich dann auch schon wieder nervt, dass er sich nicht entscheiden kann. Dann kommt zum Glück meine Gastmutter mit Nono im Gepäck und wir fahre zu ihrer Arbeit, wo wir den Arbeitskollegen gegen meinen Gastvater eintauschen...war der Typ jetzt echt nur bei uns um sich einen Film anzugucken? Dann gehts zum Restaurant...und dieses Restaurant ist der Wahnsinn...Ich glaube ich war noch nie in einem so luxuriösen Restaurant. Wir hatten natürlich ein abgetrenntes Zimmer in dem so ziemlich alles golden war. Und natürlich durfte ein fetter Kronleuchter auch nicht fehlen. Alles mit Aussicht auf das Meer. Als ich gefragt habe ob ich das fotografieren darf, haben sie mich nur ausgelacht und mein Gastvater hat sowas gesagt wie haben die sowas in Deutschland nicht? Ich hab ihm dann auf deutsch geantwortet, dass wir sowas schon haben, aber nicht jeder so viel Kohle hat, um in so einem Restaurant essen zu gehen. Er hats natürlich nicht verstanden. Das ist übrigens meine neue Taktik, wenn ich nur verstehe, wie alle darüber reden, dass ich nicht verstehe oder zu oft Ausländer sagen, fang ich einfach an Deutsch zu reden. Nach und nach trubeln dann die Gäste ein (wir waren die ersten), das Geburtstagskind und seine Eltern und die Großeltern, sowie Freunde der Familie. Leon ist auch wieder dabei, worüber ich mich freue , weil er echt lustig ist, wenn ich ihn mal verstehe. Die Aufmerksamkeit gehört ganz dem kleinen Geburtstagskind, welches heute 1 Jahr alt geworden ist. Und wie sich so ein einjähriger benimmt, läuft er die ganze Zeit herum und spielt mit allem was ihm in die Finger kommt. Die Kuchengabeln und die Teetassen können wir gerade noch sichern, bevor er an sie rankommt. Sein Papa gibt ihm dafür ein viel besseres Spielzeug...seine Zigarettenpackung. Zu Beginn des Essens trommelt er dann mit seinem Löffel auf seinem Teller herum, was alle natürlich unglaublich süß finden und ich nur unglaublich nervig. Nono läuft die ganze Zeit um den kleinen herum und ist ebenfalls extrem laut, mag wohl daran liegen, dass sie heute nicht gesamte Aufmerksamkeit bekommt. Dann gibt es was zu Essen, hauptsächlich Meeresfrüchte, da das Restaurant ja am Hafen ist und sich darauf spezialisiert hat. Es ist wirklich ziemlich lecker, obwohl ich mir bei manchen Sachen nicht sicher bin, was es ist. Ich frage also fast jedes Mal Leon, der sich aber oft nicht sicher ist. Einmal probiere ich etwas, von dem er gesagt hat es wäre okay und im nächsten Moment sagt er dann es wäre Fleisch und ich lege es wieder weg, bis sich herausstellt, dass es doch Fisch war. Zwischendurch trinken die Männer immer einen chinesichen Schnapps (so eine Art Grappa). Sie lassen mich natürlich auch probieren. Das Zeug stinkt ekelig, so wie Grappa halt (Papa würde mir jetzt wiedersprechen), ist aber im Vergleich zu Papas Grappa harmlos. Obwohl die Männer nicht so viel trinken (für deutsche Verhältnisse), merkt man einigen den Alkohol schon an.Wie war das mit Chinesen können nicht som viel Alkohol ab? Vorurteil bestätigt. Nach dem Essen gibt es dann Torte und jetzt werden meine Nerven ein bisschen strapaziert. Ich wurde ja darum gebeten auf Nonos Essmanieren zu achten, also sage ich ihr sie solle sich beim Essen hinsetzen, als sie sich gerade mit ihrem Kuchenstück auf dem Weg in den Flur zu spielen macht. Sie setzt sich auch kurz hin, aber haut dann irgendwann wieder ab und nimmt ihr Stück mit. Im Flur sehe ich dann wie sie mit diesem fetten Stück Torte hinter den anderen Kindern herläuft. Es nervt mich ja schon seit längerem, dass sie beim Essen andauernd aufsteht und herumläuft. Aber in einem do luxuriösem Restaurant mit einem Tortentsück durch den Flur zu sprinten geht zu weit. Als ich ihr sage, dass das nicht geht antwortet sie nur, sie würde ja nicht essen, sie spiele mit der Torte und versuche den anderen Kindern etwas ins Gesicht zu schmieren. Innerlich bin ich ein bisschen ausgerastet. Ich steh also da in diesem Flur mit diesem verwöhnten Kind, das mit seiner Torte SPIELT und versuche ihr zu erklären, dass das so nicht geht und neben mir sitzt ihr Vater dem das total egal ist und das offensichtlich noch lustig findet. So wie spiele ich das jetzt runter? Also fang ich wieder an deutsch zu reden und ihr einen zu erklären, dass meine Mutter mich nicht so erzogen hätte und das man nicht mit Essen spielt und so weiter. Bringt natürlich nichts.Aber was soll ich machen ? Dann fahren wir nach Hause und ich bin immer noch genervt. Ich würde am liebsten schlafen, aber das geht natürlich nicht, da Nono neben mir sitzt. Also versuch ich mir auf der Fahrt meine schlechte Laune zu verkneifen und bin froh als wir zuhause ankommen. Ich will nur noch ins Bett, aber in meinem Zimmer sitzt meine Gastmutter am Pc. Sie zeigt mir dann ein paar Fotos auf dem PC und erzählt mir ein bisschen was von ihrer Heimat. Ich zeige ihr ein paar der wenigen Fotos von Deutschland und meiner Familie auf meinem PC. Das ist eigentlich ganz nett. Wie gesagt ich hab hier so manchmal meine Momente und besonders wenn ich wieder einen Traum von Zuhause und den Leuten dort hatte will ich nach Hause.

3.11.13 16:24

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