8.11.2013

Nachdem ich gestern den Blogeintrag fertigstellt habe, warte ich auf den Anruf meiner Chinesischlehrerin. Ich hab nämlich mal wieder keiner Ahnung wo genau und vor allem wann ich mich mit ihrem Freund treffen soll. Statt meiner Lehrerin ruft mich dann aber ihr Freund an und erzählt mir irgendwas, dass er bei einer Schule ist. Hä? Ich sag ihm dann ich ruf jetzt meine Lehrerin an frag sie was ich machen soll. Sie sagt mir dann ich soll zur Busstation laufen und das tue ich auch. Vorher gibt es natürlich ein bisschen Drama, weil ich meiner Gastoma irgendwie verständlich machen muss, dass ich jetzt weg gehe und so keine Ahnung habe wann ich wieder komme. Nachdem sie verstanden hat, dass ich mit meiner Lehrerin essen gehe. ist aber alles gut. Also los zur Bushaltestelle, zu dem geheimnisvollen Freund meiner Lehrerin. Sie hat mir ja gesagt er wäre sehr hübsch, aber ich habe keine großen Erwartungen, da ich nicht weiß ob wir dasselbe unter gut aussehend verstehen...An der Bushaltestelle steht dann aber niemand und ich kriege schon wieder Panik, dass ich etwas falsch verstanden hab, also rufe ich wieder meine Lehrerin an. Die erzählt mir, dass ihr Freund an einer anderen Haltestelle ist. Wow ich bin mal nicht die, die was falsch verstanden hat. Hinter mir kommt er dann auch schon angerannt. Also da das hier ein Blog über meine kulturellen Erfahrungen ist, will ich euch jetzt auch nicht mit Details langweilen...ich sag nur soviel: Mit handsome (gut aussehend) hat meine Lehrerin nicht übertrieben, der Typ sieht echt gut aus und ist für einen Chinesen (soll jetzt nicht böse klingen) ziemlich groß. Aber zurück zum unserem kulturellen Ausflug. Chairs, so sein englischer Name (was er sich wohl dabei gedacht hat?) und ich fahren erstmal mit dem Bus. Ich glaub ich hab schon mal erwähnt, dass ich Busfahrten in China hasse, da es zu voll ist und ich sowieso nicht verstehe und keinen Plan hab, wo ich aussteigen muss. Naja dafür hab ich ja ihn dabei. Obwohl Chairs die meiste Zeit das Gegenteil beteuert, ist sein Englisch gar nicht schlecht und wir können uns ganz gut unterhalten. Da ich nicht weiß, wann ich das nächste Mal mit einem Übersetzer unterwegs bin, nutze ich gleich die Gelegenheit und frage ihn ob er mit mir Geld wechseln geht. Chinesische Banken gibt es hier wie Sand am Meer und so finden wir gleich eine in der Nähe der Station wo wir ausstiegen müssen. Man kann hier übrigens in jeder Bank Geld wechseln. Chairs frag trotzdem nochmal nach, macht aber leider den Fehler nach deutscher Währung, statt nach Euro zu fragen. Er erklärt mir dann, dass sie Mark leider nicht mehr haben...Ja wir auch nicht, seit 2002...Das kann er aber nicht wissen, also erkläre ich ihm das es eine europaweite Währung gibt. Euro haben sie natürlich, aber bevor wir etwas wechseln können müssen wir natürlich erstmal eine Nummer ziehen und warten. Ich gehe also zu den Bänken. Dort sitzt ein älterer Mann und lächelt mich an, er ist offensichtlich Ausländer wie ich, deswegen setze ich mich spontan neben ihn und frage Mal woher er kommt. Sein Name ist Hugo und er ist ein Tierarzt aus Holland. Wir müssen lange warten und so erzählt er mir eine Menge. Seit er 20 ist bereist er die Welt, er war schon fast überall in Europa, Asien und Amerika. Außerdem spricht er Englisch, Spanisch, Französisch, natürlich Niederländisch und DEUTSCH! Ich freu mich natürlich unglaublich und vor allem, da sein Deutsch nahezu perfekt ist. Im ersten Moment ist es allerdings extrem komisch mit jemanden von Angesicht zu Angesicht Deutsch zu sprechen. Das letzte Mal ist schließlich schon eine Weile her und Deutsch zu schreiben und über skypen ist noch irgendwie anders. Vor allem da ich ihn nicht kenne und es gewöhnt bin mit Fremden Englisch zu sprechen, wechsle ich andauernd zwischen Deutsch und Englisch. Hört sich echt total blöd an, dass ich es komisch finde meine Muttersprache mit jemanden zu sprechen. Als ich dann endlich dran bin sitze ich am Schalter neben Hugo, was ganz gut ist, da Hugo kein Chinesisch spricht und froh ist sich meinen persönlichen Übersetzer ausleihen zu können. Der Mann am Schalter ist nämlich mit Hugos Reisepass ein bisschen überfordert, da er den Unterschied zwischen einer "0" und einem "O" nicht erkennen kann. Kann mal passieren, trotzdem geht dann eine riesige Diskussion auf Chinesisch und Englisch los, aus der ich mich lieber raushalte... Als das dann endlich geklärt ist und alles Geld gewechselt ist, gehen wir noch einen Kaffee trinken. Hugo lädt uns ein. Er zeigt uns dann noch ein paar Bilder von seiner Reise und seinem Zuhause in Holland. Nachdem Chairs ihm dann noch erklärt hat, wie er zur Bushaltestelle kommt, macht er sich wieder auf den Weg. Ein beeindruckender Mann. Ich hoffe, dass ich die Chance habe so viel von der Welt zu sehen wie er. Chairs und ich machen uns dann auf den Weg zum Strand, wobei wir uns ein bisschen verlaufen. Ja ich glaube Chairs ist ein bisschen verplant. Wir nehmen dann einen anderen Weg als ursprünglich geplant war und laufen durch die Stadtviertel. Hier sieht man das alltägliche Leben der einfachen Leute, nicht so wie bei mir zuhause im Goldenen Käfig mit Sicherheitsmann und Schranke davor. Ach übrigens wir haben jetzt ein neues Türschloss mit Fingerabdruckerkennung. Die Leute in den Straßen haben sowas nicht, sie leben sehr einfach. In China gibt es halt keinen wirklichen Mittelstand, entweder man hat Geld oder man hat keins. Das was wir als ärmliche Lebensverhältnisse betrachten, ist für die meisten Chinesen normal. Sie haben das was sie zum Leben brauchen, mehr können sie sich nicht leisten. Es geht aber noch schlimmer. Als wir durch eine Unterführung gehen, um auf die andere Straßenseite zu kommen, liegen dort zahlreiche Obdachlose. Klar solche Leute gibt es bei uns auch, aber bei uns gibt es auch genug Stellen an die sie sich wenden können, ich bin mir nicht sicher ob es in China so viele Obdachlosenheime gibt. Hugo hat gesagt, dass das Reisen und zu sehen wie andere Menschen leben uns bescheiden macht und dankbar für das was wir haben. Ich denke er hat Recht, diese Erfahrung werde ich so schnell nicht vergessen. Aber ich schweife mal wieder ab. Da Chairs den Weg zum Strand irgendwie nicht wirklich findet gehen wir erstmal zur Universität. Sie soll ziemlich berühmt sein, natürlich kenne ich sie nicht. Wie die meisten Deutschen kannte ich vor meinem Trip nach China nur die Städte Peking, Shanghai und Hongkong. Die Uni ist aber wirklich schön und riesig, wie alles in China. Wir gehen ein bisschen im Park spazieren und gucken uns Schwäne an, bevor wir uns dann auf zu Strand machen. Der Strand der genau bei der Uni liegt, ist zur Abwechslung mal nicht überfüllt oder verschmutzt. Dort machen ein paar Leute Spaziergänge und nicht weit von uns entfernt steht ein Brautpaar, das Hochzeitsfotos macht. Leider hab ich die falschen Klamotten an, sonst wäre ich mit den Füßen ins Wasser gegangen...naja nächstes Mal. Dann gehen wir etwas Essen (Chairs zahlt, China hat noch echte Gentleman) und laufen danach durch die Nebenstraßen, die mich an einen riesigen Flohmarkt erinnern. Überall stehen Stände mit Souvenirs oder etwas zu essen und dahinter sind kleine Läden. Ein paar Bars gibt es auch, in denen es natürlich deutsches Bier gibt. Die trinken hier übrigens hauptsächlich Heineken. Wir holen uns irgendwo einen Tee (schmeckte wie Bubble Tea oder Bubbles) und gehen zurück zum Strand, der mittlerweile schon dunkel ist. Wir setzen uns auf einem Felsen und schauen aufs Meer. Man hört sich das alles kitschig an...:D Danach gehen wir zu dem berühmten englischen Viertel...ENDLICH! Jaja was folgt auf zu viele Erwartungen?...Enttäuschung. Das englische Viertel ist lediglich ein Ort, wo sich ein paar Studenten mit Ausländern treffen. Das sieht dann so aus, dass der Ausländer rumsteht und um ihn um eine Gruppe von Chinesen, die ihm alle möglichen Fragen stellen. Wow das krieg ich auch woanders hin, dafür muss ich nicht zu Uni latschen. Die anderen Ausländer sind natürlich alle um die 60 Jahre alt und keiner ist aus Deutschland. Die Jüngeren Ausländer (man klingt das alles bescheuert) sollen erst später kommen. Supi ich muss aber um 10 zuhause sein...Wenigstens erzählt uns ein Chinese, dass es in der Nähe wohl eine Bar gibt in der immer viele deutsche Studenten sein sollen. Chairs verspricht mir herauszufinden wo die Bar ist und mit mir dort nächstes Wochenende hinzugehen. Da ich im englischen Viertel nicht weiter komme, gehen wir noch ein bisschen spazieren, unter anderem durch einen Tunnel, den Kunststudenten mit allen möglichen Kunstwerken verziert haben. Als ich auf mein Handy schaue, sehe ich, dass Nono mich angerufen hat oh nein, wenn ich jetzt zurück rufe will sie vielleicht mit meiner Lehrerin sprechen, da ich offiziell mit ihr unterwegs bin (wir glauben nämlich, dass meine Gastmutter etwas dagegen hat, wenn ich mit einem Kerl nachts durch die Gegend laufe...). Also mache ich mich bevor noch etwas passieren kann auf den Heimweg. Natürlich mit Taxi, alleine Bus fahren? Niemals. Zuhause angekommen, haben wir wieder Besuch. Ben, der Freund meines Gastvaters, der viel in Deutschland zu tun hat, ist mit seiner Frau und seinem Sohn zu Besuch. Ich unterhalte mich mit ihm wieder ein wenig auf Englisch und erklärt mir wie wichtig es für Nono sei, dass ich ihr unseren europäischen Lebensstil nahe bringe. Ich gehe jetzt nicht näher drauf ein, aber er ist von uns Deutschen sehr begeistert und hofft ich könnte Nono bestimmte Werte vermitteln, sodass sie in Zukunft zu einer selbstständigen Frau heranwächst. Wie gesagt er hält große Stücke auf Deutschland...Nachdem er gegangen ist, gucken Nono und ich noch Hannah Montana, dann gehen wir ins Bett. Morgen kann ich endlich ausschlafen...bis 8.

9.11.13 09:28

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